ca. 5 Min. Lesezeit

Best-of-Breed schlägt Monolith: Warum Ihr ERP kein Innovationsmotor ist – und das auch nicht sein muss

Monolithische ERP-Systeme bündeln alles – und bremsen alles. Wie Best-of-Breed mit offenen APIs Produktionsunternehmen Flexibilität zurückgibt, ohne den großen ERP-Wechsel.

Geschäftsführer eines Produktionsunternehmens verbindet modulare Software-Bausteine zu einem vernetzten System – Best-of-Breed-Architektur statt monolithischem ERP

Best-of-Breed bedeutet: für jeden Funktionsbereich das jeweils beste Spezialsystem wählen und die Systeme über offene APIs verbinden – statt alles in einem monolithischen ERP zu bündeln. Der entscheidende Vorteil ist Modularität: Einzelne Komponenten lassen sich unabhängig voneinander austauschen, ohne das Gesamtsystem anzufassen. Wer heute auf Monolithen setzt, kauft nicht nur Software – er kauft alle Designentscheidungen, die ein Hersteller seit den 1980er Jahren angesammelt hat.

Die These: One-Size-Fits-All passt niemandem wirklich

Wer ein ERP-System kauft, kauft eine fertige Meinung. Die Meinung eines Herstellers darüber, wie Ihr Einkauf zu funktionieren hat, wie Ihr Lager strukturiert ist, wie Ihr Reklamationsprozess auszusehen hat. Diese Meinung wurde vor Jahren – oft Jahrzehnten – von einem Produktteam festgelegt, das Ihre Branche, Ihre Kunden und Ihren Markt nicht kannte.

Das ist keine Kritik, sondern Architektur-Realität. Monolithische ERP-Systeme sind in den 1980er und 1990er Jahren gewachsen. Sie haben sich in Branchen ausgebreitet, weil der Markt damals keine echte Alternative kannte. Heute kennt er sie.

Ein Gründer, der heute ein Unternehmen aufbaut, würde nie sagen: „Ich kaufe mir einen ERP-Monolithen und baue darauf auf." Er würde sagen: „Ich brauche ein gutes CRM für die Kundenpflege. Ein modernes Lagersystem. Ein schlankes Kollaborationstool für die interne Zusammenarbeit. Und ich verbinde das, was ich brauche – nicht, was ein Anbieter mir bündelt."

Die Frage für etablierte Produktionsunternehmen ist dieselbe – sie kommt nur mit mehr Bestandslast.

Die Realität im Unternehmen: Gewachsen, verankert, eingesperrt

In Produktionsunternehmen mit einem laufenden ERP sieht die Realität vertraut aus: Das System läuft seit Jahren, wurde konfiguriert, angepasst, customized. Mitarbeiter kennen keinen anderen Weg. Die Berater, die es eingeführt haben, sind die einzigen, die es wirklich durchschauen.

Das Ergebnis ist bekannt. Das System deckt technisch vieles ab – aber nichts exzellent. Die CRM-Funktion ist schwach; Vertrieb pflegt Kontaktdaten parallel in Excel. Das Reporting ist veraltet; Controller exportieren manuell und bauen eigene Dashboards. Die Lagerverwaltung ist starr; Mitarbeiter führen Schattenlisten.

Und überall, wo das ERP eine Lücke hinterlässt, entsteht manuelle Brückenarbeit: Mitarbeiter als menschliche Schnittstellen zwischen Systemen, die nicht direkt kommunizieren. Oder E-Mail als Prozessersatz, weil das ERP keinen strukturierten Workflow bietet. Das sind keine Nutzerfehler – das sind Symptome eines Systems, das nie auf Ihre spezifischen Prozesse ausgelegt war.

Die strukturelle Ursache: Vendor Lock-in ist das Geschäftsmodell

Das Problem sitzt tiefer als schlechte Software-Qualität. Monolithische ERP-Hersteller haben kein wirtschaftliches Interesse daran, dass Sie einzelne Teile ersetzen. Ihr Modell basiert auf Vollständigkeit: Alles kommt von ihnen, alles bleibt bei ihnen, alles erweitert man über sie.

Das führt zu einer Situation, die mit der Zeit eskaliert. Jede Erweiterung kostet. Jede Anbindung eines Drittsystems ist ein Custom-Projekt. Jede Anforderung, die der Hersteller nicht auf der Roadmap hat, bleibt offen oder wird zur teuren Sonderlösung. Das nennt sich ERP-Lock-in – und er ist keine Nebenwirkung, sondern Absicht.

Das Paradoxe: Ein Systemwechsel wird mit der Zeit nicht günstiger, sondern teurer. Je mehr Customizing, je mehr historische Daten, je mehr Mitarbeiter, die nichts anderes kennen – desto unwahrscheinlicher wird jede Migration. Und desto stärker die Position des Herstellers bei den nächsten Vertragsverhandlungen. Warum ERP-Systeme Prozessautomatisierung strukturell blockieren – auch wenn der Wille zur Modernisierung vorhanden ist – ist ein eigenes Kapitel.

Die Architekturebene: Module tauschen, nicht Gesamtsysteme

Der Best-of-Breed-Ansatz löst dieses Problem durch Modularität, nicht durch einen Big Bang. Das Prinzip: Jedes System macht genau das, was es am besten kann – CRM, Lagerverwaltung, Buchhaltung, Projektmanagement, interne Zusammenarbeit. Jeder Bereich bekommt das jeweils stärkste Spezialtool am Markt.

Das Verbindungselement ist eine konsequente API-Integration. Über Integrationsschichten wie n8n kommunizieren die Systeme direkt miteinander. Workflows laufen systemübergreifend ab, Daten fließen ohne manuellen Eingriff. Und wenn ein System besser oder günstiger wird: Man tauscht genau dieses eine Modul – während alles andere weiterläuft.

Hinzu kommt eine neuere Schicht: MCP-Server (Model Context Protocol). Wer seine Systeme mit MCP-Schnittstellen ausstattet, macht sie nicht nur für andere Software steuerbar, sondern direkt für KI-Agenten. So kann ein Agent Prozesse über Systemgrenzen hinweg koordinieren, ohne dass jemand jeden Schritt manuell konfigurieren muss. In einer monolithischen Welt ist das technisch ausgeschlossen, weil die gesamte Prozesskette im System vergraben liegt und keine offene Schnittstelle nach außen hat.

Wer sich für das Thema ERP-Automatisierung für Produktionsunternehmen interessiert, findet dort eine strukturierte Übersicht der relevanten Architekturentscheidungen.

Die KI ist dabei auch als Migrationswerkzeug unterschätzt. Wer ein Legacy-System ablösen will, das niemand mehr wirklich kennt, kann der KI heute Zugriff auf das Datenbankschema geben – und sie analysiert die Struktur, versteht die Daten und führt die Migration durch. Was früher ein sechsstelliges Beratungsprojekt erforderte, wird zum überschaubaren Vorhaben.

Konkrete Kostenwirkung: Schulung nur dort, wo der Wechsel stattfindet

Der häufigste Einwand gegen Best-of-Breed lautet: „Mehrere Systeme bedeuten mehrere Verträge, mehrere Lernkurven, mehr Komplexität." Das stimmt – und ist trotzdem falsch kalkuliert.

Wer ein ERP-Gesamtsystem durch ein anderes ersetzt, muss alle Mitarbeiter auf die komplette neue Software-Suite umschulen. Alle gleichzeitig, mit einem Stichtag, unter Produktionsdruck. Das ist kein Risiko – das ist programmiertes Chaos.

Wer dagegen nur das CRM-Modul austauscht, schult nur die Mitarbeiter, die das CRM täglich nutzen – auf genau dieses eine System. Alles andere läuft unverändert. Der Schulungsaufwand ist proportional zur Änderung, nicht exponentiell zur Systemgröße.

Dasselbe gilt für das finanzielle Risiko: Ein fehlgeschlagenes Modul kostet einen Bruchteil eines fehlgeschlagenen ERP-Projekts. Software ohne offene API ist dabei das eigentliche Risikoelement: Systeme, die sich nicht integrieren lassen, machen Best-of-Breed unmöglich und erzwingen genau den Monolith, den man vermeiden wollte. Die API-Fähigkeit jedes neuen Systems ist deshalb keine technische Anforderung – sie ist eine geschäftliche.

Das strategische Potenzial: Wer gezielt Module austauscht statt Gesamtsysteme, gewinnt die Freiheit, auf KI-gestützte Automatisierung zu setzen. Diese setzt an den Schnittstellen an – genau dort, wo ein Monolith keine bietet.

Welches Ihrer Systeme bremst Sie heute aus?

Die Frage ist nicht, ob Monolithen grundsätzlich falsch sind. Die Frage ist: Welche Entscheidungen hat Ihr ERP-Hersteller für Sie getroffen – und bezahlen Sie heute noch dafür, ohne es in der BWA zu sehen?

Jetzt Automatisierungs-Analyse buchen – In 30 Minuten identifizieren wir, welche Ihrer Systeme echte Flexibilität blockieren, wo ein Modulaustausch den größten wirtschaftlichen Hebel bietet und wie eine Best-of-Breed-Architektur für Ihr Unternehmen konkret aussehen würde.

Dr. Martin Mundschenk
Dr. Martin Mundschenk

Gründer & IT-Architekt

Berät Geschäftsführer von Produktionsunternehmen bei der Wahl offener IT-Architekturen und der Automatisierung administrativer Prozesse – herstellerunabhängig und wirtschaftlich orientiert.

Häufige Fragen